Rathäuser mit katholischer Kapelle sind eine regionale Besonderheit, die noch aus den Zeiten der kurpfälzischen Herrschaft stammt. Nach der sog. Kirchenteilung in Kurpfalz (kurfürstliche Düsseldorfer Religionsdeklaration von 1705) entschied die Anzahl der Konfessionsanhänger, welche Glaubensrichtung ob ihrer Mehrheit die Pfarrkirche behalten durfte und welche sich um eine neue eigene kümmern mußte. Dabei bestand auch die Möglichkeit eines Simultaneums, also der Teilung der Kirche für zwei Konfessionen mittels einer Mauer im Kircheninneren.


Je nach Vermögen der Minderheitengruppe dauerte es, bis der Raumnot Abhilfe geschaffen werden konnte. In Flomborn mit seiner verschwindend geringen Zahl an Katholiken war es erst 1765 so weit, daß diese ihr eigenes Bethaus erhielten, und zwar in Verbindung mit der Errichtung eines neuen Rathauses. Dadurch entfiel ein großer Teil der Baukosten auf die weltliche Gemeinde, was die Protektion der Katholiken in der seit der Regierung des Hauses Pfalz-Neuburg wieder katholischen Kurpfalz deutlich macht.

Das Flomborner Rathaus steht mitten im alten Dorfkern und spielt eine wichtige Rolle im Ortsbild. An der westlichen Giebelseite befindet sich der rundbogige Eingang zur Kirche mit schlicht profiliertem Gewände.

 

 

Auf dem Schlußstein findet sich neben der Jahreszahl 1765 (das Erbauungsjahr des Hauses) ein Kreuz mit zwei Querarmen, ein sogenanntes erzbischöfliches -, Patriarchen- oder Lothringer Kreuz, das vielleicht mit dem Patrozinium des hl. Remigius zusammenhängt.
An der Nordseite des Rathauses befindet sich ein Wendeltreppenturm, der als Zugang zu den Amtsräumen im Obergeschoß dient. Er stammt noch aus dem 16. oder 17. Jahrhundert und hat die Pfalzverwüstung im sog. Pfälzischen Erbfolgekrieg anscheinend überstanden. Das historische Gebäude steht unter Denkmalschutz und ist auf Betreiben der Bürgerinitiative Flomborn mit viel Eigenleistung, Spenden und Zuschüssen von Kirche und Staat renoviert worden.